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Das ist Gröden... einfach schön... Es stimmt zwar, dass viele Menschen Gröden so kennen. Gröden ist nämlich eine Touristenhochburg mit knapp 20.000 Betten und nur 10.000 Einwohnern. Die atemberaubende Bergwelt lenkt schnell ab und dient als gute Kulisse, Aber Gröden ist nicht die Fassade, die man von außen sieht. Gröden, das sind die Menschen, die hier leben. Ich möchte den Menschen, die nach Gröden kommen, die oft verborgene, aber dennoch lebendige Kultur zeigen und sie von den versteckten Seitengassen aus auf eine Bühne stellen.
Aber wie?
Selbst die Gäste, die sich für die Grödner Kultur interessieren, haben oft Schwierigkeiten sie zu entdecken. Oft werden ihnen dann alte Trachten und Gegenstände gezeigt, aber das ist nicht das was wir sind. Die Herkunft ist sicherlich wichtig für jede Identität, sie ist aber nicht das, worum es geht. Es geht um das Hier und Jetzt, um die lebendigen Traditionen, die sich jährlich leicht verändern und weiterentwickeln und dabei nicht von Institutionen oder Ähnlichem getragen werden. Sie werden von den Bewohnern selbst freiwillig ausgeübt. Genau diese Traditionen, die man als Gast missen könnte, gibt es wirklich, man erkennt sie nur nicht.
Doch wie schaff ich es, den Leuten diese Geschichten zu vermitteln. Wie schaff ich es, diese den Leuten am besten zu kommunizieren? Ich kann natürlich einen Text ausarbeiten, aber wer ist schon bereit, mehrere seitenlange Erklärungen über grödner Traditionen zu lesen? Wahrscheinlich nur sehr wenige. Wenn ich es aber ein anderes Medium schaffe, Interesse zu wecken, diese Traditionen selbst entdecken zu wollen und somit auf diese Texte verweise, könnte ich auf diese Weise viel mehr Menschen ansprechen und erreichen. Der erste Gedanke hierzu ist eine dokumentarische FotoreiheIch versuche also dokumentarische Fotografie zu erzeugen und dabei so objektiv wie möglich zu bleiben. Ich will dem Betrachter weder ein Gefühl vermitteln, noch ihm bestimmte Details vorzeigen. Ebenso wenig möchte ich eine bestimmte Richtung vorgeben.Dem Mädchen, das einem Jungen ein Ei schenkt, kommt eine größere Bedeutung als dem Ei selbst zu; und wenn ich den Blick des Betrachters mit Unschärfe und anderen künstlerischen Effekten lenken möchte, beeinflusse ich die Situation und verliere die Objektivität. Am liebsten würde ich die einzelnen Personen so weit abstrahieren, dass sie nicht mehr als Individuen, sondern nur noch als Menschen zu erkennen sind. Aber wie kann eine solche Abstraktion objektiv erreicht werden
Beim Film und bei der Fotografie ist das wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Illustration, ein Gemälde oder eine Skulptur würde eine solche Abstraktion ermöglichen aber die Objektivität ginge verloren. Aber was, wenn nicht ich die Skulpturen abstrahiere und sie sich selbst im Schaffensprozess abstrahien? Was ist, wenn ein Programm eine Skulptur nach strengen Regeln erschafft und durch versehentliche Fehler abstrahiert? Genau dies versuche ich mit Hilfe der Fotogrammmetrie zu erreichen.
Fotogrammmetrie ist eine Vermessungstechnik. Genauer gesagt geht es darum, reale Objekte mit Hilfe von Fotos einzuscannen. Heute wird die Fotogrammmetrie vor allem im CG Bereich eingesetzt, um schneller an fotorealistische 3D Objekten zu gelangen. Auf diese Weise kann man 3D-Modelle mit unglaublicher Qualität
Idealerweise sollten die Objekte schattenlos und so flach wie möglich ausgeleuchtet werden und in einem Moment von allen Richtungen abgelichtet werden. Bei stillen Objekten kann man sich auch nur mit einer Kamera rundherum bewegen, bei sich bewegenden Objekten (z.B. Menschen) bräuchte man viele Kameras, die gleichzeitig von allen Richtungen fotografieren. Ich ignoriere dies aber einfach und lasse mir beim Fotografieren der Menschen Zeit, sodass durch ihre Bewegung, die Fotos suboptimal für Fotogrammmetrie werden. Dadurch entstehen fehlerhafte Formen, die die Oberfläche verändern und abstrahieren. So kann ich es schaffen, objektiv und analytisch traditionelle Handlungen abstrahiert einzufangen, ohne als Außenstehender eine subjektive Abstraktion erschaffen zu müssen. Demzufolge das Wesentliche der Handlung aufnehmen.
Zusammenfassend gilt also: Fotografie und Film verleihen den einzelnen Darstellern viel Bedeutung, Malerei und Illustration hingegen wirken eher wie eine künstlerische Interpretation und nicht wie eine reale Darstellung. Die Fotogrammmetrie, also die Technik der Vermessung durch Fotos, schafft es, die einzelnen Personen so zu abstrahieren, dass sie nicht mehr als Individuen erkennbar sind, sondern als Figuren lebensecht erscheinen. So gelingt es mir, das Wesentliche der Handlung zu erfassen.
Dennoch habe ich die Möglichkeit bekommen, meine Arbeit im Ausstellungsraum des Circolo‘s (Kreis für Kunst und Kultur) ab 9. September für zwei Wochen den interessierten Passanten präsentieren zu können. Genau dort, wo sie am besten hingehört, mitten im Zentrum von St. Ulrich, der inoffiziellen Hauptstadt des Grödnertals. Neben den zwei in Sandstein gedruckten Statuen werde ich alle erläuternde Texte ausstellen, die die jeweiligen Traditionen beschreiben, sowie die QR Codes der weiteren Statuen. Zudem verstecke ich im gesamten Dorf QR Codes. Dafür entferne ich Pflastersteinen die ich anschließlich gegen Holtzwürfel eintausche, auf denen ich die Codes lasere. Neugierige Besucher bekommen so einen ersten Kontakt mit der Ausstellung. Genau so kann meine Zielgruppe mit der oft verborgenen Kultur Grödens konfrontieren werden. Den Touristen wird dadurch ein erster Eindruck vom echten Gröden vermittelt. Daraufhin können sie selbst versuchen Gröden zu entdecken. Daher auch der Name meiner Arbeit SCUVRì (Lad. „Entdecken“).